Ein Messwert, der nicht nur Körpergröße und Gewicht berücksichtigt, sondern auch biologische Marker der Stoffwechselgesundheit, liefert neue Einschätzungen des Krankheitsrisikos.
Eine neue Studie unter Leitung von Forschenden der Universität Göteborg in Schweden zeigt: Ein höherer metabolischer BMI (MetBMI) geht mit einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes und damit zusammenhängende Erkrankungen einher.
MetBMI als präziserer Maßstab für Stoffwechselgesundheit
Der BMI (Body-Mass-Index) wurde zuletzt zunehmend als grober Gesundheitsindikator hinterfragt. Zwar lässt er sich unkompliziert ermitteln, indem das Gewicht durch die Körpergröße geteilt wird, doch wichtige Aspekte bleiben außen vor. Dazu zählen etwa die Speicherung von Fettgewebe (Adipositasgewebe) und die Effizienz, mit der der Stoffwechsel Nahrung in Energie umwandelt.
Nach Ansicht des Forschungsteams könnte der MetBMI eine genauere Beurteilung ermöglichen. Die Analyse identifizierte eine molekulare Signatur für Stoffwechselstörungen, die sich in Metaboliten widerspiegelt, welche Darmmikroben während der Verdauung erzeugen.
„Unser MetBMI deckt eine verborgene Stoffwechselstörung auf, die auf der Waage nicht immer erkennbar ist“, sagt die Endokrinologin Rima Chakaroun von der Universität Göteborg.
„Zwei Menschen mit demselben BMI können völlig unterschiedliche Risikoprofile haben – abhängig davon, wie ihr Stoffwechsel und ihr Fettgewebe funktionieren.“
Für die Entwicklung eines Algorithmus zur Bewertung des MetBMI nutzten die Forschenden Gesundheitsdaten und Blutproben von 1.408 Personen. Im Mittelpunkt standen Metaboliten im Blut, die erkennen lassen, wie gut biologische Prozesse ablaufen.
„Zirkulierende Metaboliten, die durch die Genetik des Wirts, die Ernährung und das Darmmikrobiom geprägt werden, ermöglichen eine systemweite Beurteilung der Stoffwechselgesundheit, die über überschüssiges Gewicht hinausgeht“, erläutern die Forschenden in ihrer Veröffentlichung.
Höherer MetBMI und das Risiko für Typ-2-Diabetes
Anschließend prüfte das Team den MetBMI-Algorithmus an einer separaten Gruppe von 466 Personen. Er sagte die Menge und Verteilung von Körpergewicht und Körperfett zuverlässig voraus. Zudem konnte er Diabetes, Fettlebererkrankungen und weitere Stoffwechselkrankheiten deutlich besser vorhersagen als der herkömmliche BMI.
Bei Personen, deren MetBMI im Verhältnis zu ihrem Körpergewicht höher ausfiel als erwartet, war die Wahrscheinlichkeit für Typ-2-Diabetes 2.6-mal so hoch. Für das metabolische Syndrom – eine Erkrankung, die häufig als Vorstufe von Diabetes gilt – lag sie um bis zu 5-mal höher.
Die Ergebnisse gingen noch weiter: Die Studie fand außerdem einen engen Zusammenhang zwischen MetBMI und dem Darmmikrobiom. Höhere MetBMI-Werte standen mit einer weniger vielfältigen Bakteriengemeinschaft sowie mit weniger Mikroben in Verbindung, die Ballaststoffe aus der Nahrung abbauen können.
„Die Metaboliten, die maßgeblich zur MetBMI-Vorhersage beitragen, werden tatsächlich durch die Darmmikrobiota beeinflusst oder von ihr produziert, wodurch sie gewissermaßen zu einem Stoffwechselregler wird“, sagt Fredrik Bäckhed, biomedizinischer Forscher an der Universität Göteborg.
Dies deutet darauf hin, dass Einflüsse auf die Darmbakterien – etwa Ernährung und Bewegung – möglicherweise auch Stoffwechselindikatoren verbessern könnten, die bei einer reinen Gewichtsmessung nicht erfasst werden.
Bariatrische Operationen und MetBMI-Werte
In einer zusätzlichen Auswertung mit 75 Patientinnen und Patienten, die sich einer bariatrischen Operation unterzogen, nahmen Menschen mit höheren MetBMI-Werten nach dem Eingriff weniger ab. Auch dies spricht dafür, dass die Stoffwechselgesundheit beim Gewichtsmanagement eine wichtige Rolle spielt.
Bevor der MetBMI breit in Kliniken eingesetzt werden kann, sind weitere Validierungen erforderlich. Die ersten Ergebnisse legen jedoch nahe, dass er langfristig ein genauerer und verlässlicherer Indikator für das Risiko gewichtsbedingter Erkrankungen sein könnte als Messungen des Körpergewichts allein.
„Der traditionelle BMI übersieht häufig Menschen, die ein Normalgewicht haben, aber ein hohes Stoffwechselrisiko aufweisen“, sagt Bäckhed.
„MetBMI kann zu einer gerechteren und genaueren Einschätzung des Krankheitsrisikos beitragen und damit den Weg für stärker personalisierte Prävention und Behandlung ebnen.“
Die Forschungsergebnisse wurden in Nature Medicine veröffentlicht.
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