Bärte werden seit Langem mit Misstrauen betrachtet: Mal gelten sie als modisch, mal als unhygienisch. Doch wie schmutzig sind sie tatsächlich?
Auf der menschlichen Haut leben Milliarden von Mikroorganismen – überwiegend Bakterien, aber auch Pilze und Viren. Gesichtshaare schaffen für sie ein besonderes Umfeld, in dem sie gut gedeihen können.
Studien zufolge beherbergen insbesondere Bärte eine dichte und vielfältige Gemeinschaft von Mikroben. Das hat die hartnäckige Annahme genährt, sie seien grundsätzlich unhygienisch. Die Washington Post berichtete kürzlich, dass in manchen Toiletten weniger Keime vorkommen als in einem durchschnittlichen Bart.
Stellen Bärte also wirklich ein hygienisches Risiko dar? Bei genauerer Betrachtung der wissenschaftlichen Erkenntnisse ergibt sich ein differenzierteres Bild.
Mikroben im Bart: Warum Gesichtshaare Keime begünstigen
Die Zusammensetzung der Mikroorganismen auf der Haut unterscheidet sich je nach Körperstelle und wird unter anderem durch Temperatur, pH-Wert, Feuchtigkeit sowie das Nährstoffangebot beeinflusst. Ein Bart bildet ein warmes, oft feuchtes Milieu, in dem sich Essensreste und Hautfette ansammeln können – ideale Voraussetzungen für mikrobielles Wachstum.
Die Mikroben profitieren jedoch nicht nur von Wärme und Feuchtigkeit im Bart. Auch die fortwährende Einwirkung neuer Verunreinigungen und Mikroorganismen trägt dazu bei, insbesondere durch Hände, die häufig Oberflächen und anschliessend das Gesicht berühren.
Bereits vor mehr als 50 Jahren befassten sich Wissenschaftler mit der Hygiene von Bärten. Frühe Untersuchungen zeigten, dass Gesichtshaare Bakterien und bakterielle Toxine selbst nach dem Waschen zurückhalten können. Daraus entstand die bis heute verbreitete Vorstellung, Bärte fungierten als Reservoir für Bakterien und könnten andere Menschen einem Infektionsrisiko aussetzen.
Bärte im Gesundheitswesen und das Infektionsrisiko
Für Beschäftigte im Gesundheitswesen sind Bärte deshalb umstritten, vor allem in Krankenhäusern, in denen die Übertragung von Krankheitserregern ein wichtiges Thema ist. Untersuchungen in Kliniken kamen allerdings zu unterschiedlichen Ergebnissen. Eine Studie stellte bei bärtigen medizinischen Fachkräften eine höhere Bakterienlast im Gesicht fest als bei glatt rasierten Kollegen.
Eine weitere Untersuchung ging der Frage nach, ob Hunde und Menschen denselben MRT-Scanner hygienisch nutzen können. Dabei enthielten die Bärte der meisten Männer deutlich mehr Mikroben als Hundefell, darunter auch einen höheren Anteil schädlicher Bakterien. Die Forschenden folgerten: „Hunde stellen für Menschen kein Risiko dar, wenn sie dasselbe MRT nutzen.“
Andere Studien widersprechen jedoch der Annahme, dass Bärte das Infektionsrisiko erhöhen. So ergab eine Untersuchung keinen wesentlichen Unterschied bei der bakteriellen Besiedlung zwischen bärtigen und glatt rasierten Beschäftigten im Gesundheitswesen.
Dieselbe Studie berichtete zudem, dass bärtige Ärzte Staphylococcus aureus – einem bedeutenden Auslöser von Krankenhausinfektionen – seltener trugen. Auch bei Patienten, die von bärtigen Chirurgen mit OP-Masken behandelt wurden, stiegen die Infektionsraten nicht an.
Mitunter können Bärte Hautinfektionen wie Impetigo übertragen. Dabei handelt es sich um einen ansteckenden Hautausschlag, der häufig durch S. aureus verursacht wird – ein Bakterium, das oft in Gesichtshaaren vorkommt.
In seltenen Fällen können auch Parasiten wie Filzläuse, die üblicherweise im Intimbereich leben, in Bärten, Augenbrauen oder Wimpern auftreten. Das betrifft vor allem Situationen mit unzureichender Hygiene oder engem Kontakt zu einer infizierten Person.
Gute Bartpflege schützt Haut und Hygiene
Ungepflegte Bärte können Reizungen, Entzündungen und Infektionen begünstigen. Die Haut unter einem Bart ist reich an Blutgefässen, Nervenenden und Immunzellen und reagiert deshalb besonders empfindlich auf mikrobielle sowie umweltbedingte Belastungen. Sammeln sich Talg, abgestorbene Hautschüppchen, Essensreste und Schadstoffe an, können sie die Haut reizen und Pilzen wie Bakterien Nährstoffe liefern.
Experten raten nachdrücklich dazu, Bart und Gesicht täglich zu waschen. Dadurch werden Schmutz, Hautfette, Allergene und abgestorbene Haut entfernt, was einer Ansammlung von Mikroben entgegenwirkt.
Dermatologen empfehlen ausserdem Feuchtigkeitspflege gegen trockene Haut, einen Bartkamm zum Entfernen von Rückständen sowie regelmässiges Kürzen, um lose Haare zu kontrollieren und Haarausfall zu verringern. Diese Massnahmen unterstützen nicht nur die Hygiene, sondern auch Gesundheit und Aussehen des Bartes.
Sind Bärte also schmutzig? Wie bei den meisten Dingen hängt das davon ab, wie sorgfältig sie gepflegt werden. Bei täglicher Hygiene und angemessener Bartpflege gehen von Bärten nur geringe Risiken aus – möglicherweise sind sie sogar gesünder, als früher angenommen wurde.
Primrose Freestone, Dozentin für Klinische Mikrobiologie, University of Leicester
Dieser Artikel wurde unter einer Creative-Commons-Lizenz von The Conversation erneut veröffentlicht. Lesen Sie den Originalartikel.
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