Zu viel Körperfett kann langfristige Folgen für das Gehirn und weitere Organe haben. Eine neue Studie deutet darauf hin, dass das Risiko einer nachlassenden Gehirngesundheit auch davon abhängt, an welchen Stellen des Körpers Fett eingelagert wird.
Fettverteilung und Gehirngesundheit im MRT
Forschende der Medizinischen Universität Xuzhou in China werteten MRT-Aufnahmen von 25.997 Personen aus einer britischen Gesundheitsdatenbank aus. Das Durchschnittsalter der Teilnehmenden lag bei 55 Jahren.
Mithilfe eines statistischen Verfahrens namens Latent-Profile-Analyse (LPA) ordnete das Team die Probandinnen und Probanden anhand ihrer Muster der Körperfettverteilung sechs Gruppen zu. Anschließend verglichen sie deren Hirnscans und Ergebnisse kognitiver Tests.
Verglichen mit den schlanksten Personen wiesen alle fünf Gruppen mit unterschiedlichen Fettverteilungsmustern geringere Gehirnvolumina und weniger graue Substanz auf. Das galt sogar für Gruppen, deren Körperfettanteil unter dem Durchschnitt lag.
„Unsere Arbeit nutzte die Fähigkeit der MRT, Fett in verschiedenen Körperkompartimenten – insbesondere an inneren Organen – zu quantifizieren, um ein datenbasiertes statt subjektives Klassifikationssystem zu entwickeln“, sagt der Radiologe Kai Liu vom angeschlossenen Krankenhaus der Medizinischen Universität Xuzhou.
„Die datenbasierte Klassifikation identifizierte unerwartet zwei zuvor nicht definierte Fettverteilungstypen, die größere Aufmerksamkeit verdienen.“
Zwei auffällige Fettverteilungstypen
Die Forschenden bezeichneten diese Verteilungstypen als „pankreasdominant“ – mit überdurchschnittlich viel Fett um die Bauchspeicheldrüse – und als „Skinny Fat“. Letzteres beschreibt dichte Fettansammlungen um bestimmte Organe trotz eines weitgehend durchschnittlichen BMI.
Beide Profile standen mit dem höchsten Risiko für einen Rückgang der grauen Substanz, Läsionen der weißen Substanz, beschleunigte Gehirnalterung und kognitiven Abbau in Verbindung. Zudem zeigten sie ein erhöhtes Risiko für neurologische Erkrankungen, eine breite Kategorie, zu der etwa Angststörungen, Epilepsie, Multiple Sklerose und Schlaganfälle gehören. Zwischen den Geschlechtern gab es jedoch einige Unterschiede.
Der Zusammenhang mit einer beschleunigten Gehirnalterung zeigte sich am deutlichsten bei Männern. Bei Frauen war das höhere Epilepsierisiko, das durch Störungen der elektrischen Aktivität des Gehirns entsteht, überwiegend mit dem pankreasdominanten Profil verbunden.
Die Untersuchung bestätigte zwar auch, dass ein höherer BMI häufig mit stärker ausgeprägtem Hirnabbau einhergeht. Zugleich ergänzt sie die zunehmende Zahl an Hinweisen darauf, dass der BMI ein recht grobes Maß für Adipositas ist, das zusätzlichen Kontext benötigt.
„Die schädlichen Auswirkungen eines erhöhten BMI auf die Gehirnstruktur sind in früheren Studien umfassend dokumentiert worden“, schreiben die Forschenden in ihrer veröffentlichten Arbeit.
„Unsere mittels LPA abgeleiteten Fettverteilungsprofile bestätigen diesen Zusammenhang und zeigen darüber hinaus, dass Muster der Fettverteilung eigenständige Risikofaktoren für neurodegenerative Prozesse sein könnten.“
Grenzen der Studie und mögliche Folgen
Wichtig ist, dass die in dieser Studie beobachteten Zusammenhänge nur auf einer Momentaufnahme beruhen. Weder die Fettverteilung noch die Gehirngesundheit wurden über längere Zeit erfasst, weshalb sich daraus kein direkter Ursache-Wirkungs-Zusammenhang ableiten lässt.
Auch die untersuchte Gruppe hatte Einschränkungen: Die Teilnehmenden waren überwiegend im mittleren Lebensalter und stammten sämtlich aus dem Vereinigten Königreich. Künftige Untersuchungen dieser Zusammenhänge könnten größere und vielfältigere Personengruppen einbeziehen.
Trotz dieser Vorbehalte liefert die Studie eine interessante zusätzliche Erkenntnisebene zum Zusammenhang zwischen Fett und Gehirngesundheit. Je besser Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler diese Beziehung verstehen, desto gezielter könnten Behandlungen und Maßnahmen werden.
Sollten sich die in dieser Untersuchung bestimmten Profile in weiteren Studien bestätigen, könnten Menschen beispielsweise frühzeitig darauf hingewiesen werden, dass bei ihnen ein erhöhtes Risiko für kognitiven Abbau besteht. So hätten sie die Möglichkeit, ihren Lebensstil oder ihre Medikation früher anzupassen.
„Für die Gehirngesundheit ist nicht nur entscheidend, wie viel Fett man hat, sondern auch, wo es sich ansammelt“, sagt Liu.
Die Forschungsergebnisse wurden in Radiology veröffentlicht.
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