Zum Inhalt springen

Studie: Trauben können die Haut vor UV-Schäden schützen

Frau isst Trauben in der Küche, sitzt am Tisch mit offenem Buch und Schüssel voll roten und grünen Trauben.

Jeden Sommer wiederholen Ärzte und Hautexperten dieselben Hinweise: Sonnenschutz auftragen, die intensive Mittagssonne meiden und die Haut vor Schäden durch ultraviolette Strahlung schützen.

Die meisten Menschen kennen die Risiken. Dennoch betrachten viele Sonnenschutz vor allem als etwas, das auf die Haut aufgetragen wird, statt als Schutzmechanismus, der auch im Körper beeinflusst werden kann.

Neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass die Ernährung ebenfalls mitbestimmt, wie die Haut auf Sonnenlicht reagiert. Besonders eine alltägliche Frucht rückt dabei zunehmend in den Fokus.

Eine neue Studie der Western New England University ergab, dass der Verzehr von Trauben der menschlichen Haut helfen könnte, besser auf Sonnenexposition zu reagieren.

Die Forschenden stellten Veränderungen bei Genen fest, die mit Hautschutz und Reparatur verbunden sind. Das liefert neue Erkenntnisse darüber, wie Lebensmittel die Hautgesundheit beeinflussen können.

Trauben in der Hautforschung

Trauben sind seit Jahren Gegenstand der Ernährungsforschung, vor allem wegen Resveratrol, einem Pflanzenstoff, der häufig mit gesundem Altern in Verbindung gebracht wird.

Frühe Untersuchungen weckten große Erwartungen an seine möglichen Wirkungen. Spätere Studien zeigten jedoch, dass Resveratrol allein viele der damit verbundenen Versprechen nicht erfüllen konnte.

Daraufhin richteten Wissenschaftler ihren Blick nicht mehr auf einen einzelnen Stoff, sondern auf die gesamte Traube.

Trauben enthalten Hunderte sekundäre Pflanzenstoffe, die möglicherweise gemeinsam auf eine Weise wirken, die isolierte Nahrungsergänzungsmittel nicht erreichen können.

Frühere Studien zeigten Vorteile für die Haut

Frühere Studien an Mäusen ergaben, dass mit Trauben angereicherte Ernährungsweisen durch ultraviolette Strahlung verursachte Hautschäden verringerten und die Tumorentwicklung verlangsamten.

Spätere Studien mit Menschen zeigten, dass einige Personen nach regelmäßigem Traubenkonsum widerstandsfähiger gegenüber UV-Schäden wurden.

Ungeklärt blieb jedoch, was bei Menschen geschah, die kaum sichtbare Verbesserungen zeigten. Hatten Trauben bei ihnen tatsächlich keine Wirkung, oder übersahen die Wissenschaftler lediglich weniger offensichtliche biologische Veränderungen?

Untersuchung menschlicher Haut

Um dieser Frage nachzugehen, entwickelten die Forschenden eine detaillierte klinische Studie mit 29 Freiwilligen. Zunächst hielten die Teilnehmenden zwei Wochen lang eine eingeschränkte Ernährung ein.

Anschließend nahmen sie für weitere zwei Wochen täglich gefriergetrocknetes Pulver aus ganzen Trauben zu sich, das drei Portionen Trauben entsprach.

Die Forschenden bestimmten bei jeder Person die minimale Erythemdosis. Sie zeigt, wie viel ultraviolette Strahlung die Haut verträgt, bevor sie sich rötet.

Ergebnisse der Hautbiopsien

Zusätzlich entnahmen die Forschenden vor und nach dem Traubenkonsum Hautbiopsien aus UV-bestrahlter und nicht bestrahlter Haut.

Zwar wurden mehr als 100 Hautproben gewonnen, doch viele bestanden die Qualitätskontrollen für die RNA-Sequenzierung nicht.

Vollständige auswertbare Daten lagen nur von vier Frauen vor. Sie hatten alle denselben Hauttyp und waren zunächst als Nichtansprecherinnen eingestuft worden, da sich ihre Rötungsschwelle nicht verbessert hatte.

Trauben verringern verborgene Hautschäden

Den ersten Hinweis lieferten Messungen von Malondialdehyd, einem Marker, der nach UV-Exposition mit oxidativem Stress und Schäden an Zellmembranen verbunden ist.

In der größeren Gruppe der Teilnehmenden sanken die Malondialdehydwerte nach dem Verzehr von Trauben deutlich.

Auch bei den vier vermeintlichen Nichtansprecherinnen waren geringere oxidative Schäden zu erkennen.

Ihre Haut erhielt also weiterhin Schutz, obwohl die übliche Messung der Hautrötung keine offensichtliche Verbesserung zeigte.

Dieses Ergebnis spricht dafür, dass sichtbare Sonnenbrandreaktionen nicht das gesamte Geschehen im Hautgewebe abbilden.

Gene reagieren unterschiedlich

Die Ergebnisse der RNA-Sequenzierung zeigten enorme Unterschiede zwischen den einzelnen Personen. Schon vor Beginn der Ernährungsintervention wies jede Teilnehmerin Hunderte individuell exprimierte Gene auf.

Nach dem Traubenkonsum und der UV-Exposition veränderte sich die Genaktivität bei jeder Person anders. Zunächst wirkten die Daten ungeordnet. Statistische Auswertungen zeigten nur geringe Überschneidungen zwischen den Teilnehmenden.

Die Wissenschaftler hatten mit einer solchen Streuung jedoch gerechnet, da nutrigenomische Reaktionen häufig von Genetik, Darmmikrobiota, Alter, Ernährung und weiteren biologischen Faktoren abhängen.

Dennoch bestätigte die Studie einen wichtigen Punkt: Trauben veränderten die Genaktivität in menschlicher Haut.

„Wir sind nun sicher, dass Trauben als Superfood wirken und beim Menschen eine nutrigenomische Reaktion vermitteln“, sagte Dr. John Pezzuto, Professor an der Western New England University.

„Wir beobachteten dies am größten Organ des Körpers, der Haut.“

Die Hautbarriere wird gestärkt

Als die Forschenden die Haut jeder Teilnehmerin vor und nach dem Traubenkonsum verglichen, zeichneten sich Muster ab. Bei drei der vier Frauen wurden Gene, die mit der Bildung der Hautbarriere verknüpft sind, aktiver.

Dazu gehörten Gene für Keratinisierung, die Entwicklung der Epidermis und Kornifikation. All diese Prozesse tragen zur Bildung der äußeren Schutzschicht der Haut bei.

Vereinfacht ausgedrückt schienen Trauben die Haut dazu anzuregen, ihre physische Barriere gegen Umweltbelastungen zu verstärken.

Eine stärkere Barrierefunktion hilft dem Körper, Feuchtigkeit zu bewahren und zugleich Schäden durch UV-Strahlung, Mikroben und Schadstoffe zu begrenzen.

Auch Lipide verändern sich

Bei einer Teilnehmerin zeigte sich ein anderes Reaktionsmuster, das sich auf den Lipidstoffwechsel konzentrierte. In ihren Hautproben nach dem Traubenkonsum waren Gene für die Produktion von Fettsäuren und Lipidtröpfchen aktiver.

Früher nahmen Wissenschaftler an, Lipidtröpfchen dienten in Zellen lediglich als Fettspeicher. Heute gelten sie als aktive Strukturen, die Zellen vor Belastungen einschließlich UV-Schäden schützen.

Blutuntersuchungen zeigten bei allen vier Frauen zudem Veränderungen der Lipidprofile. Bestimmte Phospholipide nahmen erheblich zu, während gesättigte Fettsäuren abnahmen und ungesättigte Fettsäuren zunahmen.

Viele dieser Lipidveränderungen werden mit einer gesünderen Hautbarrierefunktion und weniger Entzündungen in Verbindung gebracht.

Die Abwehrkräfte der Haut werden stärker

Bei einer weiteren Teilnehmerin stieg die Aktivität von Genen, die mit antioxidativen Schutzmechanismen und antimikrobieller Aktivität verbunden sind.

Die Forschenden fanden eine erhöhte Expression von Genen, die für den Abbau von Wasserstoffperoxid und die Entgiftung oxidierender Stoffe zuständig sind.

Auch antimikrobielle Proteine wie Dermcidin nahmen nach dem Traubenkonsum zu. Dermcidin wird normalerweise über die Schweißdrüsen abgesondert und hilft dabei, schädliche Bakterien auf der Haut zu zerstören.

Weitere Proteine, die die Hautbarriere stärken und die antibakterielle Abwehr unterstützen, wurden ebenfalls aktiver.

Jede Teilnehmerin erzielte über unterschiedliche biologische Wege ähnliche schützende Effekte. Der Körper schien seine Reaktion an die individuelle Biologie anzupassen.

Darmbakterien beeinflussen die Hautreaktion

Nach Ansicht der Forschenden könnte das Darmmikrobiom einen großen Teil dieser Unterschiede erklären. Frühere Arbeiten derselben Forschungsgruppe hatten gezeigt, dass Traubenkonsum die Zusammensetzung der Darmbakterien und die Produktion von Metaboliten veränderte.

Die Theorie lautet, dass sekundäre Pflanzenstoffe aus Trauben mit Darmmikroben interagieren. Dabei entstehen Verbindungen, die über den Blutkreislauf zu entfernten Organen wie der Haut gelangen und diese beeinflussen.

Da jeder Mensch ein eigenes Darmmikrobiom besitzt, verarbeitet auch jede Person die Inhaltsstoffe von Trauben möglicherweise anders.

Das könnte erklären, weshalb Ernährungsstudien zwischen einzelnen Menschen häufig uneinheitliche Ergebnisse liefern.

Weitere Studien sind erforderlich

Die Studie weist wichtige Einschränkungen auf. Nur vier Frauen lieferten verwertbare Sequenzierungsdaten, und sie hatten vergleichbare Hauttypen sowie ähnliche Hintergrundmerkmale.

Größere und vielfältigere Studien sind daher weiterhin notwendig. Die Forschenden betonen außerdem, dass Trauben keinen Ersatz für Sonnenschutzmittel oder sonnensicheres Verhalten darstellen.

Bei der Intervention wurde konzentriertes Traubenpulver eingesetzt, das täglich mehreren Portionen entsprach, und nicht lediglich gelegentlich Trauben gegessen.

Trotzdem sind die Ergebnisse relevant, weil sie zeigen, dass ein gewöhnliches Lebensmittel messbare genetische Veränderungen im menschlichen Hautgewebe auslösen kann.

Ernährung kann die Hautgesundheit prägen

Die Ergebnisse stützen die zunehmend vertretene wissenschaftliche Auffassung, dass Ernährung den Körper auf sehr individuelle Weise beeinflusst.

„Die Veränderungen der Genexpression deuteten auf Verbesserungen der Hautgesundheit hin. Doch über die Haut hinaus ist es nahezu sicher, dass der Verzehr von Trauben die Genexpression in anderen somatischen Geweben des Körpers beeinflusst, etwa in Leber, Muskeln, Nieren und sogar im Gehirn“, sagte Pezzuto.

Das Team erklärte, diese Forschung helfe Wissenschaftlern dabei, besser zu verstehen, wie Vollwertlebensmittel wie Trauben die allgemeine Gesundheit beeinflussen können – insbesondere, da moderne genetische Werkzeuge es ermöglichen, diese Veränderungen genauer zu verfolgen.

Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste!

Kommentar hinterlassen