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Wegovy, Ozempic und Mounjaro: Erhöhen Abnehmspritzen das Krebsrisiko?

Ärztin erklärt Patientin auf Tablet Bilder von Viren, Maßband und Insulinspritze liegen auf dem Tisch.

Immer mehr Menschen in westlichen Ländern greifen zu Medikamenten zur Gewichtsabnahme wie Wegovy/Ozempic und Mounjaro. Inzwischen gibt es erste Befürchtungen, ob die Versorgung mit ausreichend verfügbaren Präparaten gesichert werden kann.

Mit der wachsenden Beliebtheit steigt jedoch auch die kritische Prüfung – und die steigende Nachfrage ist nicht das einzige mögliche Problem bei Abnehmspritzen.

Bei diesen Arzneimitteln, die als GLP-1-Rezeptor-Agonisten bezeichnet werden, treten häufig Magen-Darm-Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen und Verstopfung auf. Hinzu kommt das inzwischen viel diskutierte „Ozempic-Gesicht“: Ein eingefallenes, gealtert wirkendes Erscheinungsbild, das durch einen schnellen Gewichtsverlust entstehen kann.

Auch schwerwiegendere Bedenken werden zunehmend thematisiert. Dazu zählen mögliche Zusammenhänge mit Augenerkrankungen, einer verminderten Libido und einem möglicherweise erhöhten Risiko bestimmter Krebsarten. Allerdings stehen wir noch am Anfang des Verständnisses möglicher Risiken, und die vorhandene Evidenz ist begrenzt.

Die wichtigste Sorge im Zusammenhang mit Krebs betrifft Schilddrüsenkrebs. Untersuchungen an Nagetieren ergaben, dass hohe Dosen von GLP-1-Medikamenten Schilddrüsentumoren auslösten. Beim Menschen wurde dies jedoch bislang nicht eindeutig nachgewiesen.

Eine groß angelegte französische Studie stellte dennoch einen möglichen Zusammenhang zwischen der Anwendung von GLP-1-Präparaten und Schilddrüsenkrebs fest, insbesondere bei Personen, die das Medikament länger als ein Jahr nutzten. Vorsorglich werden diese Arzneimittel Menschen mit einer eigenen oder familiären Vorgeschichte von Schilddrüsenkrebs sowie bestimmten genetischen Erkrankungen, die das Risiko für Schilddrüsentumoren erhöhen, nicht empfohlen.

Auch Bauchspeicheldrüsenkrebs gibt Anlass zu Bedenken. Der Grund dafür sind vor allem frühe Berichte über Pankreatitis, also eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse, die in manchen Fällen tödlich verlaufen kann. Die derzeitige Studienlage bestätigt jedoch keinen direkten Zusammenhang zwischen GLP-1-Medikamenten und Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Diese Bedenken sind besonders relevant, wenn man die Wirkungsweise dieser Arzneimittel betrachtet.

Wie Wegovy, Ozempic und Mounjaro wirken

Wegovy und Ozempic sind Markennamen für Semaglutid, einen GLP-1-Rezeptor-Agonisten. Der Wirkstoff wurde ursprünglich zur Behandlung von Typ-2-Diabetes entwickelt. Er aktiviert Rezeptoren in der Bauchspeicheldrüse, steigert dadurch die Insulinfreisetzung und senkt Glukagon – ein Hormon, das den Blutzuckerspiegel erhöht.

Zusammen tragen diese Effekte dazu bei, den Blutzucker zu senken. Die gewichtsreduzierende Wirkung beruht darauf, dass das Medikament Rezeptoren im Gehirn sowie in Darm- und Fettzellen beeinflusst und so den Appetit verringern kann.

Mounjaro, der Markenname des Wirkstoffs Tirzepatid, geht noch einen Schritt weiter. Tirzepatid wirkt nicht nur am GLP-1-Rezeptor, sondern zusätzlich an einem zweiten Rezeptor: dem GIP-Rezeptor für das glucoseabhängige insulinotrope Polypeptid.

Durch die Stimulation beider Rezeptoren verbessert Tirzepatid die Fähigkeit der Bauchspeicheldrüse, Insulin zu produzieren, und erhöht die Insulinempfindlichkeit. Das bedeutet, dass Körperzellen wirksamer auf Insulin reagieren und der Blutzucker effizienter reguliert wird. Diese doppelte Wirkung führt zu einem noch stärkeren Gewichtsverlust als Semaglutid allein und macht Mounjaro zum neuesten Hoffnungsträger im Kampf gegen Adipositas.

In klinischen Studien wurde Tirzepatid bislang nicht mit einem erhöhten Krebsrisiko in Verbindung gebracht. Wie andere GLP-1-Medikamente trägt es jedoch weiterhin den Warnhinweis zu Schilddrüsenkrebs, der auf früheren Tierstudien basiert.

Interessanterweise deuten vorläufige Tierstudien darauf hin, dass Tirzepatid bestimmte Tumoren, darunter Brustkrebstumoren, möglicherweise verkleinern könnte. Diese Erkenntnisse befinden sich jedoch noch in einem sehr frühen Stadium und lassen sich noch nicht auf Menschen übertragen.

Adipositas ist ebenfalls ein Krebsrisiko

Wichtig ist, dass Adipositas selbst ein gut belegter Risikofaktor für mehrere Krebsarten ist, darunter Brust-, Dickdarm-, Leber- und Gebärmutterkrebs. Indem GLP-1-Medikamente Menschen beim erheblichen Gewichtsverlust unterstützen und ihre Stoffwechselgesundheit verbessern, könnten sie das Risiko für diese Erkrankungen indirekt senken.

Tatsächlich fanden einige Bevölkerungsstudien bei Menschen, die GLP-1-Medikamente verwendeten, niedrigere Raten adipositasbedingter Krebserkrankungen als bei Personen, die andere Behandlungen erhielten.

Ob das geringere Krebsrisiko auf die Wirkung des Medikaments selbst oder auf den Gewichtsverlust zurückzuführen ist, bleibt allerdings unklar. Um diesen Zusammenhang vollständig zu verstehen, ist weitere Forschung erforderlich.

Krebsrisiko bei GLP-1-Medikamenten und Tirzepatid

Das derzeitige Bild ist daher beruhigend, aber weiterhin von Unsicherheit geprägt. Das Gesamtrisiko für Krebs im Zusammenhang mit GLP-1-Medikamenten und Tirzepatid scheint niedrig zu sein.

Dennoch muss betont werden, dass diese Medikamente Menschen mit einer persönlichen oder familiären Vorgeschichte bestimmter Formen von Schilddrüsenkrebs sowie mit endokrinen Erkrankungen wie dem multiplen endokrinen Neoplasie-Syndrom nicht empfohlen werden. Diese Erkrankungen können die Empfindlichkeit für hormonbedingtes Tumorwachstum erhöhen.

Abnehmspritzen sind nicht frei von Risiken, bieten aber zugleich ein enormes Potenzial. Ob sie sich als Wundermittel oder lediglich als jüngstes Kapitel in der langen Geschichte des Abnehmens erweisen, muss noch geklärt werden.

Eines ist sicher: Die Diskussion ist noch lange nicht beendet.

Diese Medikamente verändern die Regeln dafür, wie wir über Gewicht, Gesundheit und Risiken denken. Im Kampf gegen die Waage bieten sie inmitten des Hypes Hoffnung, Wissenschaft und ein beträchtliches Maß an Ungewissheit.

Nadine Wehida, Dozentin für Genetik und Molekularbiologie, Kingston University, und Ahmed Elbediwy, Dozent für Klinische Biochemie / Krebsbiologie, Kingston University

Dieser Artikel wurde unter einer Creative-Commons-Lizenz von The Conversation erneut veröffentlicht. Lesen Sie den Originalartikel.

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