Zum Inhalt springen

Handtücher: Neue Daten zeigen, wann das echte Bakterienproblem beginnt

Junger Mann hält feines Handtuch und betrachtet Keime mit Lupe neben Waschmaschine und frischen Handtüchern.

Neue Erkenntnisse machen deutlich: Die eigentliche Herausforderung setzt deutlich früher ein.

Im Bad erscheint vieles hygienisch, solange weder unangenehme Gerüche noch sichtbare Verschmutzungen auftreten. Gerade Hand- und Badetücher wirken weich, frisch gewaschen und völlig unbedenklich. Eine Studie aus Japan vermittelt jedoch ein anderes Bild und zeigt, ab welchem Zeitpunkt sich im Gewebe ein unsichtbares Bakterienreservoir bildet.

Wenn das Kuscheltuch zum Bakterien-Nest wird

Ein von dem Mikrobiologen Kato geleitetes Forschungsteam beobachtete über sechs Monate hinweg Badetücher in 26 japanischen Haushalten. Zwischen Oktober 2021 und März 2022 untersuchten die Wissenschaftler Hand- und Duschtücher, die unter gewöhnlichen Alltagsbedingungen verwendet wurden. In regelmäßigen Zeitabständen bestimmten sie die mikrobielle Belastung in den Textilfasern.

Die Auswertung zeigte: Mit jeder weiteren Verwendung nimmt die Keimzahl zu. Hautbakterien, Schweiß, Hautschuppen sowie kleinste Reste von Seife, Kosmetika und Schmutz setzen sich nach und nach in der Gewebestruktur fest. Das Badezimmer bietet dafür günstige Voraussetzungen, denn dort ist es warm und feucht und häufig wird nur unzureichend gelüftet.

Die Forschenden stellten einen eindeutigen Kipppunkt fest: Etwa acht Wochen nach der ersten Nutzung verändert sich die Situation. Von diesem Zeitpunkt an entstehen sogenannte Biofilme – komplexe Ansammlungen von Mikroorganismen, die fest mit den Fasern verbunden sind.

Nach etwa zwei Monaten wird aus einem scheinbar sauberen Frotteehandtuch ein stabiler Bakterien-Rückzugsort, der sich nur schwer wieder entfernen lässt.

164.000 Bakterien pro Quadratzentimeter im Alltagshandtuch

Die ermittelten Werte fallen deutlich aus: Nach ungefähr zwei Monaten normaler Nutzung wiesen die Handtücher der Studie bis zu 164.000 Bakterien pro Quadratzentimeter auf. Auch die menschliche Haut ist von zahlreichen Mikroorganismen besiedelt. Ein Handtuch schafft durch Feuchtigkeit und verfügbare Nährstoffe jedoch besonders vorteilhafte Bedingungen für deren Vermehrung.

Weniger bedenklich als die reine Menge ist die Zusammensetzung der Keime. Wiederholt genannt werden fäkale Coliforme – also Bakterien aus dem Darm, beispielsweise Escherichia coli. Sie können durch nicht gründlich genug gewaschene Hände auf das Handtuch gelangen und von dort weiter übertragen werden.

Ähnliche Untersuchungen ergaben, dass einzelne Proben bis zu 90 Prozent der analysierten Handtücher Spuren fäkaler Verunreinigung aufwiesen. Besonders häufig betroffen waren dabei jene Bereiche, die zum Abtrocknen von Gesicht und Händen dienen.

Der Umweltmikrobiologe Charles Gerba belegte bereits in früheren Messungen, wie rasch sich Keime vermehren können: Schon nach drei Nutzungen ohne Waschgang steigt ihre Anzahl sprunghaft an. Wer dasselbe Handtuch mehrere Tage hintereinander verwendet, schafft damit ideale Voraussetzungen für eine kleine Bakterienfarm.

Biofilm: Wenn Bakterien im Handtuch einen Schutzschild aufbauen

Biofilm ist ein abstrakt klingender Begriff für einen konkreten Vorgang. Bakterien haften gruppenweise an einer Oberfläche, erzeugen eine schleimige Matrix und schützen sich auf diese Weise gegen äußere Einwirkungen. Bekannt ist dieses Prinzip von Zahnbelag und Ablagerungen im Duschabfluss – ebenso kann es sich bei älteren Handtüchern entwickeln.

Einmal gebildet, wirkt der Biofilm wie eine Rüstung: Waschmittel und Moderate Waschtemperaturen erreichen die Bakterien kaum noch.

Nach Angaben der japanischen Untersuchung fördern mehrere Umstände diese Entwicklung:

  • Anhaltende Feuchtigkeit: Zwischen zwei Duschvorgängen trocknen Handtücher oft nicht vollständig durch.
  • Wärme im Bad: Heizung, heiße Duschen und geringe Luftzirkulation beschleunigen die Vermehrung.
  • Organisches Material: Hautschuppen, Schweiß und Seifenrückstände dienen als Nährstoffquelle.
  • Gemeinsame Nutzung: Verwenden mehrere Menschen dasselbe Handtuch, nimmt die Vielfalt der Keime zu.

Nach rund 60 Tagen Nutzung ist der Biofilm so gefestigt, dass übliche Haushaltswaschgänge bei 40 Grad die Bakterienkolonien häufig nicht mehr deutlich verringern. Die Forschenden beschreiben die Tücher dann praktisch als „umgebaut“: Das mikrobielle Ökosystem im Textil hat sich dauerhaft gewandelt.

Wie häufig sollten Handtücher tatsächlich gewaschen werden?

Aus den Beobachtungen lässt sich eine recht eindeutige Faustregel ableiten: Hand- und Duschtücher sollten idealerweise alle zwei bis drei Tage gewaschen werden. So bleibt die Bakterienmenge vergleichsweise gering, und ein stabiler Biofilm kann sich in den meisten Fällen gar nicht erst bilden.

Empfohlen wird ein Waschprogramm bei mindestens 60 Grad, mit ausreichend langer Laufzeit und einem Vollwaschmittel mit Bleichanteil. Auch ein Waschgang bei 40 Grad senkt die Keimzahl, erzielt bei widerstandsfähigen Bakteriengemeinschaften aber nicht denselben Effekt.

Genauso entscheidend ist das Trocknen. Liegt ein Handtuch über Stunden feucht und zusammengeknüllt auf dem Boden oder hängt es auf der Heizung, bleibt es ein idealer Lebensraum für Keime.

So werden Handtücher hygienischer gepflegt

Schon wenige einfache Maßnahmen können das Risiko spürbar senken:

  • Handtücher nach dem Gebrauch vollständig ausbreiten und nicht zusammengefaltet aufhängen.
  • Für jede Person im Haushalt eigene Handtücher bereitstellen, vor allem für Gesicht und Hände.
  • Textilien in gut gelüfteten Räumen oder im Freien zügig vollständig trocknen lassen.
  • Optisch verschlissene und rau gewordene Tücher nach längerer Nutzungszeit ersetzen, spätestens wenn sie trotz Waschens muffig riechen.
  • Bei Erkrankungen im Haushalt, etwa Magen-Darm-Infekten oder Erkältungen, die Waschintervalle deutlich verkürzen.

Wann ein neues Handtuch sinnvoller ist

Die Daten aus Japan deuten darauf hin, dass sich entstandene Biofilme nach etwa 60 Tagen intensiver Nutzung nur noch schwer komplett beseitigen lassen. Wer ein bevorzugtes Handtuch seit Monaten dauerhaft nutzt und selten wäscht, verwendet daher vermutlich ein bereits gut etabliertes Keimreservoir.

Das bedeutet praktisch nicht, dass jedes Handtuch nach zwei Monaten entsorgt werden muss. Ausschlaggebend sind Nutzungsintensität und -häufigkeit, die Waschtemperatur sowie die Geschwindigkeit, mit der es trocknet. Wird ein Duschtuch jeden Tag benutzt, nur alle zehn Tage gewaschen und in einem schlecht belüfteten Bad getrocknet, ist eine kritische Prüfung angebracht – und gegebenenfalls ein Austausch.

Wenn ein Handtuch trotz frischer Wäsche leicht muffelt, signalisiert das meist: Die Biofilme sitzen tiefer im Gewebe, als die Waschmaschine kommt.

Was hinter den „guten“ und „schlechten“ Bakterien steckt

Viele Menschen verbinden Bakterien unmittelbar mit Gefahr. Der überwiegende Teil ist jedoch harmlos oder sogar nützlich. Auf der Haut lebt ein komplexes Mikrobiom, das den Körper schützt und Krankheitserreger verdrängen kann. In einem Handtuch treffen allerdings zahlreiche unterschiedliche Arten aufeinander, darunter auch solche, die dort kaum hingehören.

Die Studie wies beispielsweise aquatische Bakterien wie Aureimonas und Brevundimonas nach, die normalerweise eher in Wasser anzutreffen sind. In feuchten Badetüchern finden sie offenbar geeignete Bedingungen und verändern im Lauf der Zeit die mikrobielle Zusammensetzung des Gewebes.

Dazu kommen Keime aus der Umgebung, dem Badezimmer, von Haustieren und vom menschlichen Körper. Je mehr dieser Quellen zusammenwirken und je länger ein Textil verwendet wird, umso vielfältiger und unvorhersehbarer wird diese Mischung.

Konkrete Risiken und besonders gefährdete Gruppen

Bei gesunden Menschen mit einem stabilen Immunsystem hat der Kontakt mit leicht belasteten Handtüchern meist keine Folgen. Dennoch erhöht sich das Risiko für:

  • Hautreizungen und kleinere Entzündungen
  • Pickel oder eine Verschlechterung von Akne im Gesicht durch verunreinigte Gesichtstücher
  • die Übertragung von Durchfallerregern über belastete Hand- oder Gästetücher

Besonders empfindlich reagieren bestimmte Personengruppen:

  • Säuglinge und Kleinkinder mit sensibler Haut
  • Menschen mit Ekzemen, Neurodermitis oder offenen Hautstellen
  • ältere Menschen sowie Personen mit geschwächtem Immunsystem

In diesen Fällen empfiehlt es sich, bei der Handtuchhygiene deutlich strenger vorzugehen, persönliche Tücher zu nutzen und häufiger zu waschen.

Mehr Hygiene durch einfache Alltags-Tricks

Wer die Routine im Badezimmer leicht verändert, kann die Keimbelastung ohne großen Aufwand reduzieren. Ein zusätzlicher Haken für das Gesichtstuch, ein zweiter Handtuchsatz im Schrank und regelmäßiges Lüften nach dem Duschen helfen dabei, Biofilmen von vornherein keine stabile Grundlage zu bieten.

Der wohl wichtigste Schritt besteht darin, sich von der Gewohnheit zu verabschieden, ein Handtuch erst bei sichtbar erkennbarem Schmutz auszuwechseln. Bakterien sind unsichtbar und werden oft erst wahrgenommen, wenn sie bereits einen Geruch verursachen. Die japanische Studie liefert hierzu einen deutlichen Impuls – mit einer einfachen Konsequenz: öfter wechseln, heißer waschen und alte Tücher im Dauereinsatz rechtzeitig aussortieren.

Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste!

Kommentar hinterlassen