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BPC-157 und TB500: Die Risiken experimenteller Peptide

Älterer Mann steht im Badezimmer und bereitet eine Injektion mit einer Spritze vor.

Für eine wachsende Zahl von Männern mittleren Alters bedeutet Älterwerden nicht mehr, schlaffe Haut, schmerzende Gelenke oder einen verlangsamten Stoffwechsel einfach hinzunehmen. Stattdessen wird es zunehmend zu einem wissenschaftlichen Experiment.

Die neue Grenze? Injizierbare Peptide – experimentelle Verbindungen, die schnelle Regeneration, Fettabbau und Muskelzuwachs versprechen, und das so unkompliziert wie mit einer Spritze zweimal täglich bis einmal wöchentlich.

Einst auf Spitzenlabore und obskure Bodybuilding-Foren beschränkt, überschwemmen diese Aminosäureketten inzwischen Wellness-Angebote, Social-Media-Feeds und Online-Marktplätze. Obwohl sie als „Biohacks der nächsten Generation“ und „Forschungschemikalien“ vermarktet werden, sind viele Peptide nicht für die Anwendung am Menschen zugelassen und wurden nicht einmal grundlegend klinisch getestet.

Dennoch wächst ihre Beliebtheit – angetrieben durch Erfahrungsberichte, den Hype von Influencern und das verlockende Versprechen, die Zeit zurückzudrehen.

Hinter dem glänzenden Marketing und den Fitnessfantasien verbirgt sich jedoch eine deutlich ernüchterndere Realität: Viele dieser Substanzen bewegen sich in einer medizinischen Grauzone, bergen unbekannte Langzeitrisiken, werden unter fragwürdigen Herstellungsstandards produziert und können in manchen Fällen lebensbedrohliche Nebenwirkungen auslösen.

Peptide sind in der Medizin keineswegs völlig neu. Das erste Peptidmedikament – Insulin – wurde 1921 isoliert und war ab 1923 kommerziell erhältlich. Heute sind mehr als 100 Peptidmedikamente zugelassen, darunter Semaglutid, besser bekannt als Ozempic und Wegovy.

Die Verbindungen, die derzeit in Fitness-Communities kursieren, gehören jedoch zu einer ganz anderen Kategorie. Es handelt sich um experimentelle Substanzen, die in Tierversuchen vielversprechend wirkten, aber nie ordnungsgemäße Studien am Menschen durchlaufen haben.

Der „Wolverine-Stack“

Eine besonders beachtete Verbindung ist BPC-157, die erstmals im menschlichen Magensaft entdeckt wurde. Frühe Tierversuche deuten darauf hin, dass sie geschädigtes Gewebe im gesamten Körper reparieren könnte.

Forschende untersuchten sie an Mäusen, Ratten, Kaninchen und Hunden, ohne schwerwiegende Nebenwirkungen festzustellen. Offenbar unterstützt die Verbindung die Heilung von Sehnen, Zähnen und Verdauungsorganen, darunter Magen, Darm, Leber und Bauchspeicheldrüse.

Wie BPC-157 genau wirkt, ist wissenschaftlich noch nicht vollständig geklärt. Tierversuche legen jedoch nahe, dass es mehrere für die Heilung wichtige biologische Prozesse auslöst. Die Substanz scheint Zellen dabei zu unterstützen, geschädigte Bereiche zu erreichen, und fördert die Bildung neuer Blutgefäße, die reparaturbedürftiges Gewebe mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgen.

Auch TB500 erhält zunehmend Aufmerksamkeit. Dabei handelt es sich um eine synthetische Variante von Thymosin beta-4, einem natürlich vorkommenden Proteinfragment, das eine wichtige Funktion bei der Reparatur und Regeneration geschädigter Zellen und Gewebe übernimmt.

Zudem kann es Zellen vor weiteren Schäden schützen, indem es Entzündungen mindert und Mikroben abwehrt. Die Kombination aus BPC-157 und TB500 trägt den Spitznamen „Wolverine-Stack“ – nach dem Marvel-Superhelden, der für seine schnelle Heilung berühmt ist.

Hinzu kommt IGF-1 LR3, eine veränderte Version eines natürlichen Proteins (IGF-1), das mit Muskelwachstum in Verbindung steht. In Tierversuchen steigerte diese synthetische Verbindung die Muskelmasse um das 2.5-Fache, wurde jedoch nie am Menschen untersucht.

Die wenigen verfügbaren Studien am Menschen liefern zu diesen Verbindungen keine eindeutigen Ergebnisse. Eine Untersuchung zeigte beispielsweise, dass bei mehr als 90% der Patienten die Knieschmerzen nach BPC-157-Injektionen zurückgingen. Allerdings gab es keine Kontrollgruppe, und die Studie wies mehrere methodische Mängel auf. Die Ergebnisse sollten daher mit Vorsicht bewertet werden.

Versteckte Gefahren

So vielversprechend die frühen Befunde auch wirken mögen: Diese experimentellen Verbindungen können gefährlich sein. Für ihre Herstellung werden spezielle Chemikalien, sogenannte Kopplungsreagenzien, benötigt. Diese können schwere allergische Reaktionen bis hin zur Anaphylaxie auslösen – einem lebensbedrohlichen Zustand.

Die gesundheitlichen Folgen gehen weit über allergische Reaktionen hinaus. Langfristige Injektionen leistungssteigernder Substanzen können zu Herzversagen führen, das schnell und mit kaum einer Vorwarnung eintreten kann, wie jüngere medizinische Fallstudien zu jungen Bodybuildern belegen.

Auch Verletzungen durch Injektionen stellen eine erhebliche Gefahr dar. An Einstichstellen in der Beinmuskulatur kann sich ein „Kompartmentsyndrom“ entwickeln, das Taubheitsgefühle, Blutgerinnsel und Muskelkrämpfe verursacht und zu einem dauerhaften Funktionsverlust führen kann.

In schweren Fällen kann es zu Nekrosen der Haut und des darunterliegenden Gewebes kommen, also zum Absterben von Gewebe, das mit Antibiotika oder operativ behandelt werden muss. Noch alarmierender sind Berichte über HIV, Hepatitis B und C sowie schwere Augeninfektionen, die sich Nutzer durch verunreinigte Injektionen zugezogen haben.

Diese Verbindungen wirken nicht nur auf Muskeln, sondern beeinflussen den gesamten Körper auf Arten, die Forschende erst allmählich verstehen. Einige stören die natürliche Insulinproduktion, während andere biologische Signalwege aktivieren, die gesunde Zellen für Wachstum und Reparatur nutzen.

Besorgniserregend ist, dass Krebszellen genau diese Signalwege ebenfalls ausnutzen. Der VEGF-Signalweg, der das Wachstum von Blutgefäßen fördert, ist bei etwa der Hälfte aller Krebserkrankungen beim Menschen aktiv, darunter Melanome und Eierstockkrebs. Laborstudien deuten darauf hin, dass Thymosin beta-4 möglicherweise dazu beiträgt, dass sich Darm- und Bauchspeicheldrüsenkrebs ausbreiten.

Zwar gibt es keine direkten Belege, die Verbindungen wie BPC-157 oder TB500 mit Krebs in Zusammenhang bringen. Forschende betonen jedoch, dass die Langzeitfolgen unbekannt bleiben, weil diese Substanzen nie ordnungsgemäße Studien am Menschen durchlaufen haben. Die Welt-Anti-Doping-Agentur hat diese Verbindungen verboten und weist darauf hin, dass sie von keiner Gesundheitsbehörde zugelassen sind und ausschließlich als Forschungswerkzeuge vorgesehen seien.

Ein wachsendes Problem

Ihr Gebrauch scheint sich dennoch rasch auszubreiten. Eine Studie aus dem Jahr 2014 ergab, dass 8.2% der Fitnessstudiomitglieder leistungssteigernde Medikamente einnahmen. Bis 2024 kam eine umfassende Übersichtsarbeit zu dem Schluss, dass der Anteil bei bis zu 29% liegen könnte. Besonders bedenklich: Nur 38% der Nutzer erkannten die damit verbundenen Gesundheitsrisiken.

Diese experimentellen Verbindungen sind ein gefährliches Glücksspiel mit der langfristigen Gesundheit. Anders als zugelassene Arzneimittel haben sie nicht die strengen Prüfungen durchlaufen, die erforderlich sind, um ihr Sicherheitsprofil beim Menschen zu verstehen. Sie mögen bessere Leistung und schnellere Heilung versprechen, doch dies hat einen Preis, den Nutzende möglicherweise erst erkennen, wenn es zu spät ist.

Die Anziehungskraft ist nachvollziehbar – wer wünscht sich nicht eine schnellere Heilung und besser definierte Muskeln? Doch diese Substanzen bleiben aus gutem Grund experimentell. Solange keine ordnungsgemäßen Studien am Menschen durchgeführt werden, melden sich Nutzende im Grunde als Versuchspersonen für ein unkontrolliertes Experiment mit dem eigenen Körper.

Adam Taylor, Professor für Anatomie, Lancaster University

Dieser Artikel wird unter einer Creative-Commons-Lizenz erneut aus The Conversation veröffentlicht. Lesen Sie den Originalartikel.

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