Zum Inhalt springen

Woumer: Das Hightech-Gerät gegen Restflüssigkeiten nach dem Sex

Weißes Gerät, Glas Wasser und aufgeschlagenes Buch auf Nachttisch im Schlafzimmer neben ungemachtem Bett.

Viele Frauen liegen nach dem Sex noch im Bett und ärgern sich leise über das klebrige Danach.

Ein neues Hightech-Gerät möchte genau dieses Problem lösen.

Mit dem „Woumer“ will ein französisches Start-up ein Produkt etablieren, das Körperflüssigkeiten nach dem Geschlechtsverkehr schonend aus der Vagina absaugt. Nach Angaben des Herstellers soll es den Komfort erhöhen, unangenehme Feuchtigkeit verringern und einen sanfteren Umgang mit der Intimgesundheit ermöglichen. Was wie Science-Fiction klingt, löst schon jetzt intensive Debatten aus.

Wofür das Intim-Gerät gedacht ist

Viele Frauen erleben es so: Der Sex ist vorbei, aber Nässe, leichter Nachfluss und klebrige Rückstände bleiben mitunter noch über Stunden spürbar. Für viele gehören Taschentücher, Toilettenpapier, Slipeinlagen oder ein Wechsel der Unterwäsche deshalb zum festen Ritual danach.

An diesem Punkt soll der Woumer ansetzen. Statt Flüssigkeiten umständlich abzuwischen oder mit Einlagen aufzufangen, soll eine sanfte Saugtechnik verbleibende Flüssigkeit aus der Vagina entfernen. Die Anwendung soll lediglich einige Sekunden beanspruchen und den Intimbereich merklich trockener sowie angenehmer zurücklassen.

Der Woumer verspricht, Restflüssigkeiten nach dem Sex in rund zehn Sekunden abzusaugen – ohne harte Vakuumwirkung und ohne Zusatzprodukte.

Laut Hersteller ist das Gerät komplett wasserdicht, verfügt über einen kleinen Auffangbehälter und kann mit Wasser und Seife gesäubert werden. Es soll ausdrücklich als wiederverwendbares Produkt dienen und in dieser speziellen Anwendungssituation langfristig teilweise Kondome, Taschentücher oder Einweg-Slipeinlagen ersetzen.

Wie arbeitet die „sanfte Saugtechnik“?

Der Woumer nutzt Unterdruck, allerdings deutlich schwächer als ein herkömmlicher Staubsauger oder medizinische Absauggeräte. Der vordere Bereich wird am Scheideneingang positioniert, bevor der kurze Saugvorgang beginnt. Die Nutzung ist für wenige Sekunden vorgesehen, um den überwiegenden Teil frei liegender Flüssigkeit im vorderen Vaginalbereich aufzunehmen.

Technische Merkmale im Überblick

  • Anwendungsdauer: rund 10 Sekunden je Anwendung
  • Saugprinzip: niedriger, regulierter Unterdruck („sanfte Saugwirkung“)
  • Lautstärke: akustisch gedämpfter Motor für eine diskrete Verwendung
  • Reinigung: herausnehmbarer Behälter, mit Wasser und Seife zu reinigen
  • Wiederverwendbarkeit: für zahlreiche Anwendungen konzipiert
  • Preis bei Markteinführung: 89 Euro, später etwa 139 Euro vorgesehen

Nach Aussage des Start-ups arbeiteten neben einem Ingenieurteam auch Gynäkologinnen, Hebammen und Sexualtherapeutinnen in einem Gesundheitsbeirat an der Entwicklung mit. Das Ziel bestand darin, möglichst viel Restflüssigkeit zu entfernen, ohne die Schleimhäute zu irritieren.

Gesundheitlicher Aspekt: nicht nur eine Frage des Komforts

Dem Konzept liegt auch eine medizinische Überlegung zugrunde. Während Sperma einen basischen pH-Wert aufweist, ist die Vagina von Natur aus eher sauer. Wenn größere Sperma-Mengen längere Zeit in der Vagina verbleiben, kann das Gleichgewicht der Vaginalflora beeinträchtigt werden. Langfristig kann dies unter anderem Pilzinfektionen oder bakterielle Ungleichgewichte begünstigen, insbesondere bei Frauen mit erhöhter Empfindlichkeit.

Klassische Verfahren wie Vaginalduschen werden mittlerweile vielfach als problematisch angesehen. Sie entfernen nicht nur Sperma, sondern auch schützende Bakterien und können die Schleimhaut erheblich reizen. Ärztinnen und Ärzte raten daher seit Jahren von regelmäßigen Spülungen ab.

Der Woumer will sich bewusst von Vaginalduschen abgrenzen: Es wird nur abgesaugt, nichts hineingespült, keine Chemie, kein Wasser, keine Zusätze.

Der Ansatz konzentriert sich damit auf das oberflächliche Absaugen überschüssiger Flüssigkeiten unmittelbar nach dem Sex. Das natürliche Milieu im Inneren soll trotz der Anwendung möglichst erhalten bleiben.

Klare Grenzen: weder Verhütung noch Infektionsschutz

So zukunftsorientiert das Gerät erscheinen mag: Eine Schwangerschaft kann es keinesfalls verhindern. Spermien sind äußerst schnell, und manche erreichen den Gebärmutterhals bereits wenige Sekunden nach der Ejakulation. Wenn das Gerät angesetzt wird, können die schnellsten Samenzellen ihren Weg bereits eingeschlagen haben.

Dasselbe trifft auf sexuell übertragbare Infektionen zu. Viren, Bakterien und weitere Erreger können nicht einfach abgesaugt werden. Kondome, regelmäßige Tests und gegebenenfalls Impfungen bleiben die wesentlichen Maßnahmen zum Schutz.

  • Kein Kondomersatz – weder zum Schutz vor HIV noch vor anderen sexuell übertragbaren Infektionen
  • Kein Notfallmittel – ersetzt weder die Pille danach noch die Spirale danach
  • Keine vollständige Entfernung garantiert – Restflüssigkeiten und Spermien können im Körper zurückbleiben

Wer den Woumer verwendet, sollte ihn daher eindeutig als Hilfsmittel für mehr Komfort verstehen, nicht als medizinische Wunderlösung.

Komfort, Schamgefühl und Alltag: Hier setzt das Woumer-Gadget an

Nach dem Sex folgt in vielen Beziehungen ein vertrauter Ablauf: Er bleibt liegen, während sie aufsteht, ins Bad geht, Papier sucht und sich reinigt. Manche betrachten das als selbstverständlich, andere empfinden es als lästig oder unangenehm – besonders bei neuen Partnern oder in kleinen Wohnungen mit hellhörigem Bad.

Im Idealfall könnte der Woumer hier eine Lücke füllen: diskret, schnell und leiser als ein Haartrockner. Das Produkt richtet sich an Frauen, die ein trockenes, sauberes Gefühl wünschen, ohne jedes Mal ins Badezimmer gehen oder große Mengen an Einwegmaterial einsetzen zu müssen.

Der Hersteller positioniert das Gerät als „Nightstand-Gadget“: griffbereit neben dem Bett, schnell nutzbar, ohne großes Aufhebens.

Zugleich berührt das Produkt ein gesellschaftliches Tabu. Während über Menstruation inzwischen vergleichsweise offen gesprochen wird, bleibt der Nachfluss aus der Vagina nach dem Sex meist unerwähnt. Gerade diese Lücke in der öffentlichen Diskussion könnte dem Produkt sowohl Zustimmung als auch Kritik einbringen.

Nachhaltigkeit und Preis: Lohnt sich die Ausgabe?

Mit einem Einführungspreis von knapp 90 Euro und einem geplanten späteren Preis von 139 Euro kostet der Woumer deutlich mehr als eine Packung Taschentücher, bleibt jedoch günstiger als viele technische Sexspielzeuge. Das Start-up verweist auf die Ausgaben über längere Zeit: Wer nach dem Sex regelmäßig Slipeinlagen, Einwegwaschlappen oder viel Toilettenpapier verwendet, kann über die Jahre durchaus nennenswerte Kosten ansammeln.

Bei der Nachhaltigkeit spricht die Wiederverwendbarkeit für das Gerät. Der kleine Flüssigkeitsbehälter wird entleert und ausgespült, während der übrige Teil weiterverwendet wird. Dennoch bleibt offen, wie viele Nutzerinnen ein solches Produkt in ihren Alltag integrieren wollen. Ebenso stellt sich die Frage, wie häufig es tatsächlich zum Einsatz kommen muss, damit sich die Anschaffung rechnet.

Für wen könnte sich der Kauf lohnen?

  • Frauen, die empfindlich auf Restfeuchtigkeit oder einen veränderten pH-Wert reagieren
  • Paare mit häufigem Geschlechtsverkehr, für die das Aufräumen danach störend ist
  • Personen, die Einwegprodukte im Intimbereich verringern möchten
  • Nutzerinnen, die Intim-Gadgets und FemTech offen gegenüberstehen

Medizinische Einschätzung und ungeklärte Punkte

Das Start-up verweist auf die Kooperation mit Fachkräften aus Gynäkologie und Sexualmedizin. Die Saugkraft soll so reguliert sein, dass weder Verletzungen der Schleimhaut noch ein „Festkleben“ am Gewebe entstehen. Auch bei Intrauterinpessaren wie Kupfer- oder Hormonspiralen soll es zu keinen Problemen kommen, weil diese deutlich weiter oben im Körper sitzen.

Dennoch sind mehrere Fragen offen:

  • Wie gut verträglich ist die Anwendung bei sehr trockenen Schleimhäuten?
  • Kann eine häufige Nutzung Mikroreizungen verursachen?
  • Wie zuverlässig arbeitet das Gerät bei unterschiedlichen Körperformen?
  • Werden Nutzerinnen Geräusch und Handhabung im Bettalltag akzeptieren?

Diese Aspekte können erst fundiert bewertet werden, wenn ausreichend viele Nutzerinnen das Produkt über einen längeren Zeitraum verwendet haben und idealerweise unabhängige Studien vorliegen.

Einordnung im Trend: Technik für das Schlafzimmer

Der Woumer gehört zu einem wachsenden Markt von Geräten, die gezielt auf weibliche Bedürfnisse ausgerichtet sind – von Perioden-Trackern und intelligenten Beckenbodentrainern bis zu smarten Vibratoren. Viele dieser Produkte befassen sich mit Alltagsthemen, über die lange kaum gesprochen wurde.

Für manche mag es befremdlich sein, nach dem Sex ein Sauggerät am Intimbereich anzuwenden. Andere könnten darin einen erleichternden, pragmatischen Umgang mit einem realen und oft verschwiegenen Thema sehen. Entscheidend wird sein, ob das Gerät im Alltag tatsächlich einlöst, was das Marketing verspricht: weniger Nachfluss, mehr Wohlgefühl und weniger gedanklicher Stress.

Wer erwägt, ein solches Gadget auszuprobieren, sollte vor allem eines berücksichtigen: Verhütung und Infektionsschutz sind eigenständige Themen. Das Gerät kann den Komfort verbessern, ersetzt jedoch keine Verantwortung. Im besten Fall wird es zu einem Baustein eines bewussten und informierten Umgangs mit Sexualität – nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste!

Kommentar hinterlassen